Vor ein paar Wochen habe ich an einer Weiterbildung teilgenommen, die inhaltlich eher zur Auffrischung diente. Deshalb sind mir die theoretischen Inhalte auch gar nicht besonders in Erinnerung geblieben. Vielmehr denke ich gerne an die Einstiegsfrage zum jeweiligen Befinden mit Tier-Fotos und die Feedback-Abfrage am Ende des ersten Tages zurück.
Diese Woche habe ich im Fernsehen einen Beitrag gesehen, in dem es um das gemeinsame Essen von Familien ging und darum, dabei mehr über den Tag, die Sorgen und die tollen Erlebnisse der anderen zu erfahren. Auch hier wurden zwei interessante Feedback-Methoden angesprochen. Das nehme ich zum Anlass, diese Erfahrungen und Ideen mit Dir zu teilen.
Hier liest Du:
Die Seestern-Methode

Diese Methode orientiert sich an der bildlichen Darstellung eines Seesterns. Jeweils einer der fünf Arme steht für Start (was sollen wir aufnehmen, womit wollen wir anfangen), Stopp (womit sollen wir aufhören, was wollen wir nicht mehr machen), beibehalten (was finden wir gut und wollen wir weitermachen), mehr (was finden wir gut und wollen wir vertiefen) und weniger (was ist ok, worauf muss aber der Fokus nicht liegen).

So könnte das praktisch aussehen:
Start: Gemeinsamer Spaziergang in der Mittagspause
Stopp: Kursleiter spricht immer die gleichen Leute an
Beibehalten: Beispiele aus der Praxis
Mehr: Möglichkeiten, Fragen zu stellen
Weniger: Theorie, Gruppenarbeit
Wofür eignet diese Methode sich?
Diese Methode kannst Du gut online und in größeren Gruppen anwenden, etwa auf einem geteilten Whiteboard oder in einer Teams-Konferenz, aber auch analog auf einem Poster oder Flipchart.
Roses and Thorns

Bei der „Roses and Thorns“-Methode geht es darum, positives und negatives anzusprechen, also sowohl die Rosen als auch die Dornen.
So könnte das praktisch aussehen:
Eine Familie sitzt am Esstisch und spricht über den Tag. Jeder spricht etwas an, was besonders toll war. Die Tochter freut sich, dass ihre beste Freundin ihr Gummibärchen mitgebracht hat, die Mutter hatte eine Besprechung die gut lief und der Vater ist nochmal um die Wurzelbehandlung herumgekommen. Dann spricht jeder an, was nicht so gut lief. Die Tochter hatte ihren Turnbeutel vergessen, die Mutter hatte sich seit Wochen darauf gefreut, am Wochenende zu einem Konzert zu gehen, was nun abgesagt wurde und der Vater hat eine Schramme ins Auto gefahren.
Wofür eignet diese Methode sich?
Diese Methode kannst Du in kleinen Gruppen anwenden, wenn sich die Teilnehmenden trauen, auch Negatives offen anzusprechen.
High, Low, what do you know

Diese Methode ist ähnlich wie der Rosen-Ansatz. Hier werden die Hochs und Tiefs des Tages, des Wochendes, des Seminars diskutiert. Aber mit dem Zusatz „what do you know?“. Das bedeutet dass jeder Teilnehmer noch etwas mit den anderen teilt, was er oder sie gerade gelernt hat. Das gefällt mir richtig gut.
So könnte das aussehen:
Zwei Kolleginnen sitzen am Montag zur Mittagszeit in der Kantine und sprechen über das Wochenende. Beide berichten davon, was am Wochenende besonders toll war („wir haben unsere ersten Erdbeeren im eigenen Garten geerntet“ und „ich habe meine persönliche Bestzeit auf 6km geschafft“). Sie erzählen auch, was doof war („ich hatte mich so auf den neuen Roman meiner Lieblingsautorin gefreut, aber der holt mich gar nicht ab“ und „ich habe ein neues Rezept probiert, aber das hat uns allen gar nicht geschmeckt“. Dann erzählen sie, was sie kürzlich gelernt haben: „auf Japanisch heißt Toilettenpapier toirettopēpā, dass kann ich mir gut merken“ oder „Die fleischfressende Venusfliegenfalle kann bis fünf zählen: Das hat ein Team um den Biophysiker Rainer Hedrich, Professor an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg 2016 nachgewiesen.“
Wofür eignet diese Methode sich?
Die Methode kannst Du in einer kleinen Gruppe anwenden, da der Wissenspunkt ein bisschen Zeit braucht. Wichtig ist hier, dass das in keinem Co-Referat ausartet. Wenn das Gelernte nur kurz angeschnitten wird, kann es sich beispielsweise gut als Gesprächsaufhänger in der Mittagspause bei einem Team-Treffen eignen oder eben im Familienkreis. Der Vorteil ist, dass hier jeder etwas anderes beitragen kann, was beim Feedback zu einer Veranstaltung nicht immer der Fall ist – der Nachteil, dass nicht jeder gerne frei und unvorbereitet spricht.
Kannst Du Dir vorstellen, eine der Methoden zu nutzen? Warum oder warum nicht? Schreib es mir gerne in die Kommentare.
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