Die Deutsche Bahn ist ein Depp. Das wissen wir alle. Daran gibt es nichts zu rütteln.
Aber wir brauchen sie. Als Individuen und als Republik.
Denn nichts verbindet so sehr, wie desaströse Bahn-Geschichten. Verzweiflung über die Bahn ist der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Die eine Sache, die uns als Nation noch eint.
Wer eine Zugreise tut, der kann was erzählen
Beim Bahnfahren passieren die absurdesten, aberwitzigsten und abenteuerlichsten Dinge. Wer Geschichten liebt, muss Bahn fahren!

Ich fahre viel Zug – nicht nur auf die Arbeit, auch in den Urlaub.
Allein im letzten Jahr habe ich dabei folgendes erlebt:
- Ich habe mitbekommen, wie ein Zugführer seinem Kollegen erzählt hat, dass er bei einer vorherigen Fahrt vergessen hat, an einem Bahnhof zu halten, weil er damit beschäftigt war, ein Tablet zu reinigen, über das er Kaffee verschüttet hatte.
- Ich war gezwungen, eine Stunde auf einen Zug zu warten, der dreiviertelstündlich fährt, weil die DB-Angestellten sich nicht dafür zuständig fühlten, den wartenden Leuten mitzuteilen, dass er entgegen der Information auf der Anzeige von einem anderen Gleis abfährt.
- Ich wurde des Öfteren gebeten, auszusteigen, da ein Zug ausfalle. Begründungslos versteht sich.
- Ich musste schwarzfahren, weil es von heute auf morgen nicht mehr möglich war, in der App Tickets zu kaufen.
Dass ich unzählige Stunden durch Verspätungen verloren habe, muss ich vermutlich nicht erwähnen.
Anekdoten > Ärger
Und warum tut man sich das an? Na ja, zum einen ist da diese winzige Klimakrise.
Zum anderen lieben wir es alle insgeheim, Bahn zu fahren und Katastrophen zu erleben. Freilich nicht am Tag des Schienen-Super-GAUs, wenn wir genervt sind, zu spät kommen und uns womöglich Unkosten entstanden sind.
Aber für den Rest unseres Lebens genießen wir es, unsere persönliche Schatztruhe an Bahn-Horrorstorys zu öffnen, unsere Anekdoten mit der Intensität eines Kriegsheimkehrers zu erzählen und zu beobachten, wie uns die Zuhörerschaft kopfschüttelnd für unsere Contenance bewundert.
Ach, und das Bahn-Magazin ist auch wirklich gut.
Die Autorin:
Julia ist Texterin und gibt tolle Schreibtipps. Folge ihr auch unbedingt auf Instagram.
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