
Eigentlich sollte jeder Tag Frauentag sein. Eigentlich wäre es schön, wenn man die Rolle der Frau nicht besonders beleuchten müsste. Aber: Die Realität sieht leider anders aus.
Bestimmt wusstest Du, dass Kinder, die gebeten werden, einen Arzt zu malen, häufig einen männlichen Arzt malen. Ich hatte vor ein paar Tagen das Erlebnis, mit Little Miss Coffee2Stay ein Spiel zu spielen, bei dem verschiedene Weltraum-Motive aus Filz auf eine Filzunterlage gelegt werden. Dabei waren Astronautinnen in pink, Astronautinnen mit einer Schleife im Haar und Astronauten (?) in blau und grün. Für meine Tochter sind all das Astronautinnen. Ich war mächtig stolz. Denn es ist ja so, dass es uns deutlich leichter fällt, uns vorzustellen etwas zu erreichen, wenn wir jemanden als Vorbild haben, der oder die so aussieht wie wir oder mit denen wir sonst etwas gemein haben.
Ich stelle zum internationalen Frauentag sieben Bücher kurz vor, die ich in Bezug auf die Rolle der Frau interessant finde. Gerade in Zeiten, in denen politisch offen oder versteckt (Stichwort = Elterngeld streichen) gefordert wird, dass Frauen wieder an den Herd sollen, schadet es nicht, mehr darüber zu erfahren, warum das so ist und wie sich das entwickelt hat.
The Feminine Mystique von Betty Friedan
Das Buch von 1963 gilt als eines der wichtigsten Bücher der zweiten Frauenbewegung. Betty Friedan beschreibt das „Problem, das keinen Namen hat“ – die Unzufriedenheit vieler Hausfrauen im Nachkriegsamerika, die auf gesellschaftliche Erwartungen und eingeschränkte Rollenbilder zurückzuführen ist. Ihr Buch gilt bis heute als zentraler Text des modernen Feminismus. Zum ersten Mal habe ich im November 2023 von diesem Buch gehört – bei einer Lesung der Autorin Bonnie Garmus. Deren Figur Elizabeth Zott will sich im Roman Lessons in Chemistry nämlich genau diesem Frauenbild nicht unterordnen.
Lassen Sie mich mal machen von Heide Sommer
Heide Sommer begann 1963 als Sekretärin bei der Zeit. Das sind die Jahre, die wir in der Serie Mad Men so elegant (und doch so frauenverachtend) fanden. Die Chefsekretärin gibt in ihrem Buch faszinierende Einblicke in die Rolle von Frauen in Machtstrukturen. Charmant und klug erzählt sie von Begegnungen mit einflussreichen Persönlichkeiten und zeigt, wie Frauen hinter den Kulissen oft mehr bewirken, als sichtbar ist.
It’s now von Janina Kugel
Als eine der bekanntesten Managerinnen Deutschlands ermutigt Janina Kugel in ihrem Buch Frauen, ihre Karriere selbst und mit Mut zu gestalten und Veränderung als Chance zu begreifen. Sie spricht über Diversität, Führung und die Zukunft der Arbeit. Kugel zeigt auf, dass selbst vermeintlich starre Konzernstrukturen an aktuelle Anforderungen angepasst werden können.
Unsichtbare Frauen von Caroline Criado-Perez
Caroline Criado-Perez deckt in ihrem preisgekrönten Buch eine tief verwurzelte Geschlechterverzerrung in unserer modernen Welt auf: den „Gender Data Gap“. Sie zeigt anhand zahlreicher Beispiele aus Medizin, Stadtplanung, Arbeitswelt und Technologie auf, wie Frauen systematisch übersehen werden, weil Daten und Standards fast ausschließlich auf Männer zugeschnitten sind.
Criado-Perez erläutert mit beeindruckender Recherche, dass die Welt nicht für Frauen gemacht ist, und dass diese unsichtbare Voreingenommenheit schwerwiegende Folgen hat – von schlechterer Gesundheitsversorgung bis hin zu Benachteiligungen im Berufsleben.
Das Buch ist ein Appell, dass wir Frauen im Alltag mitdenken können und müssen.
Die Erfindung der Hausfrau von Evke Rulffes
Die Hausfrau als selbstlose Versorgerin der Familie – dieses Bild erscheint uns heute fast selbstverständlich. Doch die Historikerin Evke Rulffes erklärt in ihrem Buch, dass diese Rolle keineswegs natürlich oder zeitlos ist, sondern eine gezielte gesellschaftliche Konstruktion.
Besonders spannend ist, dass Rulffes nicht nur historische Entwicklungen beschreibt, sondern sie mit aktuellen Debatten verknüpft. Warum gilt Care-Arbeit oft als unsichtbar? Wieso wird Hausarbeit noch immer vor allem Frauen zugeschrieben? Und wie beeinflussen diese alten Denkmuster moderne Arbeits- und Familienmodelle?
Warum haben vor allem wir Mütter das Gefühl, alles alleine schaffen zu müssen? Warum ist es uns unangenehm, um Hilfe zu bitten? Immerhin haben unsere Mütter und Omas das doch auch alles alleine geschafft – oder?
The sky is no limit von Nicola Winter
Nicola Winter war Deutschlands zweite Eurofighter-Pilotin. Das empfindet sie übrigens nicht als Auszeichnung sondern eher als Armutszeugnis für Deutschland, wäre sie doch lieber die 100. Pilotin gewesen. Nach einer Karriere als Jetpilotin schaffte sie es in die ESA-Astronautenauswahl – und da Deutschland sich gegen aktive Astronauten entschied, ist sie eine von zwei Reserveastronautinnen. Heute arbeitet sie als Rettungshubschrauberpilotin. Im Buch berichtet sie von Mythen rund um das Fliegen, von Disziplin und Talent und von Führung. Ich habe das Buch leider noch nicht durch, aber da ich Nicola vor ein paar Wochen treffen durfte, bin ich mehr als gespannt.
Wenn die letzte Frau den Raum verlässt von Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer
Ganz frisch erschienen und daher noch ungelesen liegt Wenn die letzte Frau den Raum verlässt auf meinem feministischen Lesestapel. Besonders interessant finde ich, dass dieses Buch von zwei Männern geschrieben wurde. Mein erster Eindruck: Das Buch ist ein Denkanstoß für Männer, die es kuioserweise gar nicht gerne sehen, wenn ihre Partnerinnen, Schwestern, Mütter, Töchter abgewertet werden. Wie kommt es dennoch zum „Herrenwitz“, zum Kampf gegen Gendersprache, zum Hass auf Gleichstellung (Stichwort: DEI)? In einem der drei Kapitel geht es auch um Allyship, also darum, wie wir Frauen Verbündete in Männern finden. Ich bin gespannt, wie es sich liest.
Welches Buch fehlt Dir auf dieser Liste? Schreib es mir gerne in die Kommentare!