Rani hat aufgerufen zur Blogparade „Was ist Selfcare für Dich?“. Sie selbst sagt, dass Selbstfürsorge kein Luxus ist. Und darüber musste ich nachdenken, denn allzu oft kommt mir Selbstfürsorge im Gewand der vielbeschworenen Me-time genau wie das vor: Luxus. Selten, eine Ausnahme, oft unter den Tisch fallend. Doch dann ging mir auf, dass ich einmal die Woche für 45 Minuten Selbstfürsorge betreibe. Mittwochs, wenn ich zum Gesangsunterricht gehe.

Vor fast exakt 11 Monaten habe ich mich an einem eher ollen Abend der Selbstfindung bei meiner örtlichen Musikschule angemeldet zum Einzel-Gesangsunterricht. Am nächsten Morgen rief mich meine jetzige Gesangslehrerin an, um einen Probetermin zu vereinbaren. Beim ersten Termin wusste ich gar nicht, was ich singen will, was ich singen kann.
Seitdem ist aus meiner Mittagspause zur Wochenmitte ein Highlight geworden. Beim Singen bin ich ganz bei mir. Ich kann das, was mich gerade bewegt, in die Musik lenken, kann Wut oder Trauer verpacken in Töne. Beim Singen konzentriere ich mich auf meinen Atem und meine Haltung, etwas das ich beim Yoga ebenso mache, aber hier mit weniger Muskelkater 😉
Im Dezember habe ich das erste Mal seit acht Jahren öffentlich ein Solostück vorgetragen und vermutlich zum ersten Mal so, dass die gesamte Aufmerksamkeit auf mir lag – denn bei Hochzeiten, die ich früher gesanglich begleitet habe, schnieften die Angehörigen und Freunde meist eher ihre Freudentränen weg, schauten die Kirchen an oder betrachteten das Brautkleid.

Ich habe vieles über mich gelernt, darüber, wie ich auf andere wirke und wirken kann. Ich habe Mut wiedergewonnen und singe hohe Töne, ohne zu zögern – und zunehmend auch tiefe. Und auch wenn nicht auf Anhieb jede Pause, jeder Ton, jede Länge sitzt: Es macht Spaß.
Im Alltag funktioniert genau diese Auszeit so gut, weil ich sie wirklich selten verschiebe. Sie ist mein fester Blocker im (Arbeits-)Kalender und gibt mir Kraft für die zweite Wochenhälfte. Musik allgemein und Gesang im Besonderen begleiten mich schon seit der fünften Klasse, als ich erstmals für einen Chor vorgesungen habe. Dass ich diese Kraftquelle wieder in meinem Leben habe, erfüllt mich immer wieder mit Freude. Und ja, manchmal singe ich auch beim Kochen. Beim Putzen. Beim Duschen. Und nein, Little Miss mag mir gar nicht so recht zuhören, wenn ich singe. Nicht mal, wenn es ihre Musik ist.
Selbstfürsorge muss nicht immer eine Schlammmaske in der Badewanne sein. Manchmal ist es einfach nur ein Gefühl, das aus dem Herzen kommt und in Töne gegossen wird.
Singen ist so befreiend und ich liebe es, wenn wir Karaoke spielen oder ich alleine zu Hause alles laut mitgröhlen kann. Und auch wenn ich bei Sing Star immer recht gut abschneide… ich hätte tatsächlich nie den Mumm so Einzelunterricht oder so zu nehmen.
Liebe Rani,
dein Thema macht sofort Lust zum Mitschreiben.
Was ist Selfcare für mich? Pausen, Kerzen und Räucherstäbchen eher nicht. Ich beschreibe in meinem Blogartikel, warum Struktur für mich die beste Selbstfürsorge ist.
https://astridengel.de/selfcare-fuer-scanner/
Liebe Grüße
Astrid