An mein jüngeres ich: Es darf Spaß machen

In diesem Blogbeitrag geht es um:

Messe-Inspiration und meine Hüte

Anfang Mai war ich in Karlsruhe. Ich hatte mir einen Tag frei genommen, um die Messen New Work Evolution und LearnTec zu besuchen. Weil ich Lust drauf hatte – und dabei hatte ich natürlich auch mehrere sinnbildliche Hüte auf. Ich liebe lebenslanges Lernen. Aktuell lerne ich Japanisch – weil es mich fasziniert, weil ich schon seit Jahren nach Japan möchte. 2020 wollten wir unsere Hochzeitsreise nach Japan machen. Aber Corona und so. Allmählich ist Little Miss alt genug, um dort vielleicht auch Spaß zu haben. Also wenn wir jetzt mal ignorieren, dass Little Miss noch nie geflogen ist und „dank“ des Kriegs in der Ukraine die Flüge von Deutschland nach Japan aktuell besonders lang sind.

New Work Evolution: Wie modern ist Arbeit?

Bei der New Work Evolution gab es interessante Vorträge (für die mir leider die Zeit fehlte) und auch einiges an Literatur. Ich habe für mich etwas zum Thema Stereotypen Mann und Frau, Strategien für verbesserte Konzentration im Großraumbüro, 100 Tagen zum Erfolg und wie wir KI für und nicht gegen uns nutzen können mitgenommen. Auf den ersten Blick gehe ich davon aus, dass die was können. Wenn dem so ist, werde ich sie hier rezensieren.

Gefehlt hat mir echte Vereinbarkeit. Eine Reihe von Anbietern hatten „Kinderbetreuung“ auf ihren Schildern als Benefit. Klar ist das nett. Aber ein Benefit ist es für mich, wenn bei großen Konferenzen, globalen Teammeetings etc. vielleicht eine Kinderbetreuung angeboten wird. Ein Benefit ist es nicht, wenn es Kinderbetreuung am Standort gibt. Dann ist es eine Voraussetzung, wenn wir wollen, dass auch gut ausgebildete Frauen mit Kindern bei uns arbeiten können. Und hier war schon die Reihenfolge auf den Plakaten vielsagend. Obstkorb, Fitness, Kinderbetreuung. Ja gut.

Juliane, die Gründerin von MamaMeeting, hatte am Nachmittag zu einem MeetUp eingeladen, daran konnte ich aus Gründen des Raum-/Zeit-Kontinuums leider nicht teilnehmen. Aber als Mitglied der Community weiß ich, dass es da gelebte Vereinbarkeit gibt.

LearnTec: Wie und was lernen wir?

Die LearnTec, eine Messe zum Thema digitales Lernen, habe ich eigentlich nur so „mitgenommen“, weil sie parallel stattfand. Aber hier konnte ich meine diversen sprichwörtlichen Hüte bestmöglich ausführen.

So konnte ich beim Landesmedienzentrum Baden-Württemberg als Vorsitzende des Elternbeirates unseres Kindergartens was über Onilo lernen, ein Lernportal, das mit animierter Kinderliteratur Sprache und Leseinteresse fördern soll. Das fängt zwar eigentlich erst ab Vorschule/Grundschule an, aber ich kann mir gut vorstellen, das auch schon im Kindergarten begleitet einzusetzen. Ich habe kein Problem damit, wenn mein Kind Zeit mit dem Tablet verbringt – insbesondere, wenn sie dabei etwas lernt.

Codetekt e.V. ist ein Verein, der an Schulen zu Falschinformationen aufklärt und Strategien an die Hand gibt, um diese zu erkennen – von der Nachrichtenquelle über das genutzte Medium bis hin zum Inhalt. Zunächst wird erklärt, warum das wichtig ist und dann ob es jeweils vertrauenswürdig oder eben nicht ist. Es geht hierbei nicht darum zu sagen, dass ein spezieller Fakt richtig oder falsch ist, sondern zu hinterfragen. Auch Bilder und Videos lässt der Verein nicht aus und das ist in Zeiten von erschreckend gut gemachten KI-Bildern und -Videos so essentiell wichtig. Diese Strategien werde ich als Teil des Kernteams unseres Frauennetzwerks bei der Arbeit teilen.

Als selber lernende habe ich bei GoodHabitz einen Test gemacht zu meiner Rolle im Team. Wenig überraschend bin ich Netzwerkerin und meine Stärke ist Kommunikation. Was mir bei der Auswertung besonders gut gefiel: Es geht nicht um die Schwächen. GoodHabitz schreibt in der Auswertung, dass Du Deine Stärken noch weiter ausbauen kannst und gibt Empfehlungen für Kurse. Eigentlich super: Wir müssen uns nicht alle der Nulllinie annähern, sondern konzentrieren uns auf das, was wir ohnehin schon gut können.

Erschreckt hat mich ein bisschen, wie viele Anbieter scheinbar ausschließlich auf KI setzen. Ich will das gar nicht verteufeln, aber wenn ich lese „lassen Sie Ihre Mitarbeiter ihre Soft Skills mit KI trainieren“ dann bleibt mir das Lachen schon ein Stück weit im Halse stecken.

Es darf Spaß machen

Es gab verschiedene Wände in der Messehalle, die dazu einluden, Fragen zu beantworten. Eine fragte danach, was man seinem jüngeren ich gerne zu Arbeit sagen würde. Ich musste gar nicht lange überlegen. Meine Botschaft: Arbeit darf Spaß machen.

Ich arbeite seit fast 20 Jahren in der Kommunikation. Und es macht Spaß. Natürlich ist auch bei mir nicht jeder Tag von glitzernden Einhornpupsen überzogen. Aber ich sehe einen Sinn in meiner Arbeit. Ich übersetze Strategie in Mitarbeiteralltag, Physiker in Durchschnittsmensch, Mitarbeiterängste in Botschaften an die Führungskräfte. Ich glaube ganz fest an Empathie in der Kommunikation. Ich liebe Sprache und bin so dankbar, dass ich mit Worten ganze Welten schaffen darf.

Zu Beginn meiner Karriere habe ich mich oft dafür geschämt, wenn mir die Arbeit Spaß machte oder leicht von der Hand ging. Aber warum? Ich wähnte mich als Hochstaplerin. Wieso sollte ich mit einer Aufgabe nach 20 Minuten fertig sein, wenn andere dafür zwei Stunden brauchten? Heute weiß ich: Jeder hat andere Fähigkeiten, jeder arbeitet anders. Und gerade in Konzernwelten werden Kleinstaufgaben gerne zu tagesfüllenden Epen. Ich mag meine Arbeit. Und sie darf Spaß machen.

Was wäre Deine Botschaft an Dein jüngeres ich?

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