Rezension: Der letzte Mord am Ende der Welt von Stuart Turton

Stuart Turton hat mit Der letzte Mord am Ende der Welt einen fesselnden Roman geschrieben. Teils Science Fiction, teils Krimi. Ich habe das englische Original The Last Murder at the End of the World gelesen.

122 Überlebende, 1 Mörder, 107 Stunden bis zum Ende der Welt – so die Geschichte in Kurzform.

There are so few humans left; they must be protected, and the village is the key to that. It must be safeguarded at any cost. (S. 20)

Die Geschichte

Der Roman von Stuart Turton ist eine dystopische Geschichte, die in einem Inseldorf spielt. Hier wohnen 122 Leute und drei Wissenschaftler. Es wirkt auf den ersten Blick harmonisch. Die Wissenschaftler haben das Sagen, die Abläufe sind klar. Die Insulaner pflanzen, ernten und frühstücken zusammen. Sie alle sterben zu einem vorbestimmten Zeitpunkt, der jedem klar ist – dann trauern alle zusammen. Am Abend schickt eine KI sie zu einer vorgegebenen Zeit ins Bett.

Diese beschauliche Dorfgemeinschaft wird dadurch getrübt, dass diese Insel die letzte bewohnte Insel der Welt ist, wurde doch der Rest der Welt von einem dunklen, giftigen Nebel zerstört. Der Nebel ist real. Kinder auf der Insel werden über die Welt vor dem Nebel unterrichtet:

„How many people were there before the fog?“
„Unaccountable,“ she replies. […] Millions were being born every day in cities larger than this island.“
[…]
„Why were they fighting?“
„We could always find a reason,“ she replies. „We had different gods or different skin, or the fight had been going on so long we’d forgotten how to stop it. Somebody had something we needed, or we thought they were planning to hurt us. Often, it was as cynical as our leaders believing it would prolong their own power.“ (S. 60)

Das ist der Teil der Dystopie, der den Bogen von Science Fiction zu aktuellen Zuständen auf der Welt schlägt. Und es ist faszinierend und verstörend zugleich.

Jegliche Idylle auf der Insel kommt gänzlich abhanden, als eine Wissenschaftlerin tot aufgefunden wird – ermordet. Für die Suche nach dem Mörder bleibt nicht viel Zeit, denn durch den Mord wurde das Sicherheits­system der Insel automatisch herunter­gefahren. Und wenn der Mord nicht innerhalb der nächsten 107 Stunden aufgeklärt wird, wird der Nebel auch diese Insel verschlingen und die letzten Menschen töten. Das Problem: Keiner der Inselbewohner kann sich an die Mordnacht erinnern. Und plötzlich fangen sie an, Fragen zu stellen.

Mit Bing/DALL-E erstellt

Die Sprache

Stuart Turton spielt wunderbar mit Sprache – er schreibt humorvoll und malt Bilder mit seinen Worten.

They’ve been eating boiled vegetables and broths for the last three weeks and her stomach is considering leaving her for somebody with a better palate. (S. 53)

[…] the village has been dipped in ink. Darkness is dripping through the branches of the trees and pooling on the ground. (S. 219)

This murder is a piece of clothing she’d wear but in entirely the wrong size. (S. 255)

She wonders how people could stand working down here. It’s so bleak, she can feel her soul changing color to mirror it. (S. 278)

Fazit

Den Schauplatz fand ich faszinierend und ich habe die malerische Sprache sehr genossen. Allerdings gefiel mir der dystopische Teil etwas besser als der Krimi-Teil des Romans. Der Roman greift sozialpolitische Fragestellungen wie die menschengemachte Zerstörung der Welt, den Einfluss von künstlicher Intelligenz und was ein sinnvolles Leben ausmacht, auf und passt damit sehr gut zu den Fragestellungen, die wir uns gerade im Wahlkampf auch stellen.

The Last Murder at the End of the World gebe ich 3 1/2 von 5 Leuchttürmen.

Du wirst den Roman mögen, wenn

  • Du Dystopien magst, die aktuelle Probleme und Fragestellungen aufgreifen
  • Du bei Krimis gerne den Mörder suchst
  • Du KI faszinierend und furchteinflößend zugleich findest
  • Dir Paradise City von Zoë Beck gefiel
  • Du Hello World von Hannah Fry mochtest

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