Monatsrückblick Januar 2025: Reisen, Pläne und Bücher

Der Monat mit gefühlt 3798 Tagen geht zu Ende.

Inhalte dieses Monatsrückblicks:

Auf Reisen

Der Januar begann mit der nun fast traditionellen Reise mit meiner besten Freundin und unseren beiden Töchtern. Im vergangenen Jahr waren wir in Münster, in diesem Jahr in Würzburg. Für mich hatte das den besonderen Charme, dass Little Miss und ich eine kürzere Strecke hatten und mit dem Regionalexpress fahren konnten. Leider war bei ihr irgendwie der Wurm drin, so dass wir in den vier Tagen gemeinschaftlich viele Gefühle betreuen mussten. Irgendwann auch bei Mama.

Pläne schmieden

Der Jahresstart im Kindergarten lief besser als gedacht und wir konnten unseren Wassergewöhnungskurs beenden. Da die Kinder schon erste Schwimmversuche unternehmen, hat unsere Trainerin uns einen weiterführenden Kurs angeboten und wir genießen das warme Wasser.

Im Kindergarten stand der erste Elternabend an. Gemeinsam mit einer Mama, die ich sehr gerne mag, darf ich unsere Gruppe im Elternbeirat vertreten – und der hat mich dann auch noch zur Vorsitzenden gewählt. Darüber freue ich mich riesig. Ich habe schon einige Ideen, was wir bis Herbst planen und umsetzen können. Mit Beginn des neuen Kindergartenjahres wird es dann schon Neuwahlen geben.

Mit Formaten spielen

Im Sprachsnack ging es diesen Monat um ungewöhnliche deutsche Wörter und ihre Bedeutung.

Ein für mich neues Format ist der Freitagsfüller von Barbara von ScrapImpulse. Das habe ich (hier und hier) ausprobiert und fand es richtig cool.

Auf Papier gelesen

By Any Other Name von Jodi Picoult

Jodi Picoult mag ich wegen der Art, wie sie ihre tiefgründige Recherche so in die Geschichten einfließen lässt, dass ich einen Lerneffekt nebenher habe. In den letzten Jahren fand ich ihre Romane allerdings etwas anstrengender, ein Buch war antichronologisch erzählt, bei einem anderen sprang sie aus meiner Sicht zu oft zwischen den Perspektiven hin und her. By Any Other Name erinnert mich wieder an ihre früheren Geschichten. Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, Melina und Emilia. Beide sind entfernte Verwandte, beide schreiben Theaterstücke. Und vielleicht ist Emilia Bassano auch der schlaue Kopf hinter Shakespeares Werken. Meine Rezension des Romans liest Du hier.

Den Bach rauf von Robert Habeck

Zuversicht in Buchform. Robert Habeck schreibt offen und reflektiert. Er schreibt über das, was ihn antreibt und warum er nicht aufgibt, was ihn erschüttert und was uns alle entzweit. Er ordnet ein, ohne zu verurteilen, blickt zurück und in eine mögliche Zukunft Deutschlands und Europas. Eine ausführliche Rezension folgt.

Ikigai von Hector Garcia und Francesc Miralles

Gerade erst begonnen habe ich Ikigai. Das Buch hat mir eine meiner Lieblingskolleginnen ausgeliehen – und traurigerweise lag es schon ungelesen bei mir, bevor ich anfing, Japanisch zu lernen. Ikigai ist ein japanischer Begriff, der „das Glück, immer beschäftigt zu sein“ beschreibt.

Auf den Ohren (und Papier)

The Last Murder at the End of the World von Stuart Turton

Der Roman von Stuart Turton ist eine Dystopie, die auf einer Insel spielt. Hier wohnen 122 Leute und drei Wissenschaftler. Es wirkt harmonisch. Die Wissenschaftler haben das Sagen, die Abläufe sind klar. Der Rest der Welt wurde von einem dunklen Nebel zerstört, der nach einem Mord nun auch hier droht, alle zu töten und alles zu vernichten. Eine interessante Prämisse.

James Cameron Stewart liest das Hörbuch wunderbar, mit unterschiedlichen Akzenten und Tonlagen.

Und sonst so

In meinem 12 von 12-Beitrag hatte ich schon von unserem Besuch in der Kinderambulanz erzählt.

Leider waren wir im Januar insgesamt ziemlich angeschlagen. Little Miss Coffee2Stay fiel – kaum dass sie wieder fit war – wie ein Großteil der Kinder in ihrem Kindergarten mit einem fiesen Infekt aus, der mit schubweisem Fieber und quälendem Husten einherging. Der fehlende Schlaf hat mich in die Knie gezwungen, dann kamen noch Hals- und Zahnschmerzen dazu. Abgesehen vom immensen Weltschmerz geht es jetzt aufwärts.

Köstlichkeiten

Ich habe Hefeschnecken mit Schokotropfen nach einem abgewandelten Rezept von Barbaras Spielwiese gebacken – und die waren sowohl frisch als auch aufgetaut köstlich. Als nächstes will ich sie mit einer Franzbrötchen-Füllung backen.

Nachdenklich: Ein Mensch

Foto von Michael Fousert auf Unsplash

Am 27. Januar jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum achtzigsten Mal. Die Bilder der Befreiten kenne ich, und doch bleiben sie schockierend. In der siebten Klasse haben wir das KZ Buchenwald besucht, als Teenager hatte ich mich sehr intensiv mit dem Holocaust beschäftigt. Trotzdem ist das Gesehene schwer zu verarbeiten und noch viel schwerer zu verstehen.

Es ist unter Deutschen im Ausland nicht unüblich, sich für die deutsche Geschichte zu schämen. Ab der 11. Klasse war ich in einer internationalen Schule in Kanada. Eine gute kanadische Freundin hat deutsche Eltern und ihre Mutter erzählte mir, dass dieses Gefühl ganz normal sei und nicht weggeht – sie wohnte zu dem Zeitpunkt schon seit knapp 20 Jahren in Kanada.

Meine beste Freundin in dieser internationalen Schule war Jüdin. Und als sie mich noch nicht mal eine Woche lang kannte, lud sie mich über das Wochenende zu sich nach Hause ein. Da ich im Internat war und sie zu Hause lebte, kam das in den folgenden drei Jahren häufig vor. Jedes Mal wenn ich Sonntags wieder ins Internat ging, fragte ihre Mutter, ob ich etwas zu essen aus dem Kühlschrank genommen habe – ich solle doch bitte etwas einpacken, wer wisse, was im Internat serviert würde.

Sonntags mussten wir zum Abendessen vor der Andacht (es war eine anglikanische Schule) wieder in der Schule sein. Und wie oft rief die Mutter meiner Freundin irgendwann am Sonntag in der Schule an: Sie habe das Auto nicht, wir haben uns auf einem Ausflug verspätet, ich käme später. Diese Mutter half mir auch, ein kanadisches Bankkonto zu eröffnen – mit ihrer Meldeadresse. Und zusammen haben wir vor dem Besuch bei der Bank den Straßennamen geübt: Okanagan. Nicht irisch O’Kanna-gan. Sondern nach dem indigenen Stamm O-kah-nah-gan.

Diese Mutter war aus der Tschechoslowakei geflohen, Familienmitglieder von ihr in Auschwitz ermordet. Meine Freundin zeigte mir einmal Kohle-Zeichnungen von Szenen aus dem KZ. Ich weiß nicht mehr, wer sie angefertigt hatte – die Großeltern? Bis heute kann ich nicht verstehen, wie diese Mutter mich so offen aufgenommen hat, wie herzlich sie war, wie menschlich. Bis heute weiß ich nicht, wie oder wieso sie verzeihen konnte. Inzwischen ist sie leider verstorben. Aber für mich wird sie immer eine Ersatzmutter in der Fremde bleiben. Ein Mensch. Seid Menschen, sagt Margot Friedländer.

Diese Wut

In diesen Tagen bin ich so oft sprachlos, entsetzt, so wütend. Ich kann und will nicht akzeptieren, dass eine bisher demokratische Partei sehenden Auges mit gesichert Rechtsextremen paktiert. Als ich nach dieser unsäglichen und erschreckend historischen Abstimmung im Bundestag – nur Stunden nach der Gedenkstunde für die ermordeten Jüdinnen und Juden der Shoah!!! – über den Wochenmarkt lief, wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, dass die CDU inzwischen blau als Farbe hat. Ich hatte keinen Pantone-Farbfächer dabei, aber auf den ersten Blick fehlt auch da die Unterscheidung zur AfD. Es ist alles so inakzeptabel.

Bist Du dabei?

Um all dem ein bisschen Hoffnung entgegenzusetzen, starte ich auf dem Blog eine Reihe an Mini-Interviews mit Menschen, die sich aktuell politisch engagieren. Wenn Du auch dabei sein magst, schick mir eine kurze Nachricht an coffee2stay.blog[at]gmail.com.

2 Gedanken zu “Monatsrückblick Januar 2025: Reisen, Pläne und Bücher

  1. Der Januar hatte seine Höhen und Tiefen und am Ende war alles irgendwie… ich weiß noch nicht so recht, was ich dazu sagen soll.
    Ich mag dein neues Format mit den Wörtern, aber das hast du ja schon gemerkt 🙂

  2. Pingback: Eine Tasse Kaffee lang politisch: Monika - Coffee to stay

Kommentar verfassen