
Lesen auf Englisch
Vielleicht weißt Du schon, dass ich in der Nähe von London in England studiert habe und unter anderem deshalb Bücher am Liebsten in ihrem englischen Original lese. In den letzten Monaten habe ich mehrere großartige Bücher in der Kindle-App gelesen, als Hörbuch gehört und sogar auf Papier verschlungen (#momlife ;-)). Hier sind meine Highlights.
„The Uncommon Reader“ von Alan Bennett

Die Novelle von Alan Bennett war mein Einstieg in britische Literatur, in der Queen Elizabeth II eine Hauptrolle inne hatte. Fiktiv natürlich. Während eines Spaziergangs auf dem Palastgelände entdeckt sie zufällig eine mobile Bibliothek und kommt dort mit dem Küchenjungen Norman ins Gespräch. Sie hat schon länger den Eindruck, dass ihr etwas fehlt, und so taucht sie dank seiner Empfehlungen tiefer und tiefer in die Welt der Bücher ein – sehr zum Missfallen ihres Hofstaates und ihrer Familie. Jede Gelegenheit wird nun zum Lesen genutzt und die Queen lässt ihre Verpflichtungen schleifen. Die Novelle ist eine Hommage an die Königin als Person und an die Liebe zu Büchern.
Der deutsche Titel („Die souveräne Leserin“) kann wie so oft nicht mit dem Wortwitz des Originals mithalten, ist doch „The Uncommon Reader“ ein Wortspiel mit dem „common reader“ als Durchschnittsleser.
Mit herrlichem Witz geschrieben, bekommt „The Uncommon Reader“ 5 von 5 Corgis.
„The Windsor Knot“ von SJ Bennett

„The Windsor Knot“ ist das erste Buch in der Her Majesty The Queen Investigates Serie. Geschrieben zu Lebzeiten der Queen spielt sie auch hier eine fiktive Hauptrolle.
Nach einem „dine and sleep“, einer Veranstaltung in Windsor Castle nach der einige Gäste dort übernachten, wird einer der Gäste tot aufgefunden. Zunächst wirkt es wie ein unbeabsichtigter Suizid, doch die Queen glaubt nicht daran. Nach und nach erfahren wir vom Doppelleben der Königin, die sich umgeben von Ermittlern schwer von Begriff zeigt, dabei den Fall mit tatkräftiger Unterstützung ihrer stellvertretenden Privatsekretärin Rozie schon längst gelöst hat.
Als Hörbuch besonders grandios, denn das wird gelesen von Samantha Bond, die in den James Bond-Filmen mit Pierce Brosnan Miss Moneypenny und zuletzt Lady Rosamund Painswick in Downton Abbey spielte. Mir ist es mitunter schwer gefallen, ihre perfekte Queen von der echten Königin zu unterscheiden. Sie spielt die alte Dame mit großer Empathie und viel Witz.
Definitiv 5 von 5 Krawatten mit Windsor-Knoten (auch hier ist der Titel wieder ein herrliches Wortspiel, Briten halt).
„The Thursday Murder Club“ von Richard Osman

Auch im „Thursday Murder Club“ haben wir es nicht mit hauptberuflichen Ermittlern zu tun. Der Club tagt Donnerstags in der Seniorenresidenz Coopers Chase in Kent und versucht, ungelöste Kriminalfälle aufzuklären. Die 80-jährige Joyce stößt neu dazu und vervollständigt den Murder Club neben der ehemaligen Geheimagentin Elizabeth, dem ehemaligen Gewerkschaftsführer Ron und dem ehemaligen Psychiater Ibrahim. Osman beschreibt seine sehr unterschiedlichen Figuren mit großer Empathie, haben sie doch alle sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht, bevor sie nach Coopers Chase kamen. Das Einfühlungsvermögen und die allgemeine Liebe und das Verständnis zwischen den Figuren ist wunderschön geschrieben. Und – wenn Du schon mehrmals in England warst, wirst Du „dieses Britische“ sofort erkennen – und sei es nur der Neid, wenn jemand einen Coffee Cake bei Costa Coffee isst.
Auch hier gibt es natürlich eine Kuriosität zum Titel zu erzählen: Ursprünglich sollte der Donnerstagsmordclub in der deutschen Übersetzung zum Montagsmordclub werden.
Ich gebe dem „Thursday Murder Club“ 4 1/2 von 5 Kriminalakten – und das auch nur, weil es im Buch sehr sehr viele Personen gibt, was es nicht ganz leicht macht, immer den Überblick zu behalten.
„The Lido“ von Libby Page

Ich liebe Geschichten über Außenseiter und diese ist wunderbar geschrieben. Im Mittelpunkt steht erneut eine Seniorin, die 86-jährige Rosemary, die im Lido – einem Freibad im Londoner Brixton – täglich schwimmt und das seit seiner Öffnung, als sie noch ein Kind war. Im Bad hat sie die Höhe- und Tiefpunkte ihres Lebens erlebt und verarbeitet und es ist für sie wie für viele ein Ankerpunkt in der Nachbarschaft.
Die zweite Protagonistin ist die 26-jährige Kate, eine Journalistin am Anfang ihrer Karriere, die unter massiven Panikattacken leidet und sich immer wieder fragt, ob und wie London jemals ihre Heimat werden soll. Als das Lido geschlossen werden soll, damit ein Investor dort schicke Wohnungen bauen kann, soll Kate eine Story für die Zeitung schreiben – und bald kämpft sie gemeinsam mit Rosemary um die Zukunft des Bades. Libby Page beschreibt den Schauplatz Brixton so gut, dass ich tatsächlich das Gefühl hatte, das Freibad und seine Umgebung richtig gut zu kennen. Wunderbar, witzig, einfühlsam und mit der einen oder anderen Träne hier und da.
„The Lido“ bekommt 5 von 5 Badehosen von mir. Und wenn Du unperfekte Charaktere im Stil von Fredrik Backman magst, gefällt Dir sicher auch Libby Pages „The 24-Hour Café“.
„The Lost Ticket“ oder „The Girl on the 88 Bus“ von Freya Sampson

Mit „The Lost Ticket“ (das auch den Titel „The Girl on the 88 Bus“ trägt) hat Freya Sampson mich sofort nach London versetzt. Die Linie 88 führt schnurstracks an allen möglichen Highlights der Hauptstadt vorbei – ähnlich der Linien 100 und 200 in Berlin.
Im Buch geht es um Frank und Libby. Ihr Leben hat sich gerade in Wohlgefallen aufgelöst und so kommt sie nach London zu ihrer Schwester und steigt in Bus 88. Frank fährt seit über 60 Jahren mit diesem Bus, denn er will noch einmal das Mädchen treffen, mit dem er sich damals spontan verabredet hat. Leider hat er seinen Fahrschein mit ihrer Telefonnummer drauf verloren. Da seine Demenz immer stärker ausgeprägt wird, soll er in ein Heim – das nicht an der Linie 88 liegt. Freya Sampson skizziert Charaktere, die alles andere als perfekt und doch so liebenswert sind. Und ja, ich habe am Ende ein bisschen geweint, weil es vorbei war. Das schaffen nur die besten Bücher.
Ich gebe „The Lost Ticket“ 4 1/2 von 5 Fahrscheinen – aber nur, weil es zum Ende des Buches hin einen Exkurs gibt, den ich für nicht nötig befand.
Hast Du ein Lieblingsbuch, das in Großbritannien spielt? Erzähl mir davon in den Kommentaren!
Sehr tolle Empfehlungen! Ganz lieben Dank!
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