Sina Kunz lädt zu einer Blogparade ein mit dem Thema Was ich anders mache, seit ich Mama bin. Da gibt es eine ganze Reihe an Dingen: Ich gehe früher ins Bett (stehe aber nicht früher auf). Ich habe meine Stunden bei der Arbeit reduziert. Ich viertele Weintrauben. Ich kaufe Obst ein, als würde mein Leben davon abhängen. Ich kann nicht mehr lange schaukeln, weil mir schlecht wird.
Und sonst so? Natürlich wollte ich immer eine gute Mutter sein und meinem Kind das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit vermitteln. Und ich bin ziemlich sicher, dass das ganz gut klappt. Ich wusste auch, dass ich Mutter sein und trotzdem arbeiten möchte.
Nach dem Wochenbett hatte ich eine Zeit lang große Schmerzen, weil sich während der Geburt das Steißbein verschoben hatte. Und spätestens da merkte ich, wie wichtig es (mir) ist, gesund und fit zu sein.
Die ersten Schritte
Kurz vor dem Ende meiner Elternzeit habe ich wieder angefangen, laufen zu gehen. Mit Little Miss Coffee2Stay im Jogger und anfangs mit Spielzeug, später dann mit kleinen Snacks. Manchmal feuerte sie mich an, schneller zu laufen, manchmal döste sie.

Ich lief zunächst alleine auf den Feldwegen, zwei Wochen nach meinem Wiedereinstieg bei der Arbeit dann zum ersten Mal 5 km beim Sportpark Rems Parkrun in Schorndorf. Und es ging. Schleppend, langsam, zehrend, aber es ging.
Mit Startnummer unterwegs

Im Oktober 2022 stand ich zum ersten Mal wieder an der Startlinie bei einem 5 km-Lauf. La Strasbourgeoise im elsässischen Straßburg hat zum Ziel, Mittel für die Brustkrebsforschung zu sammeln und darauf aufmerksam zu machen, dass noch immer eine von acht Frauen in ihrem Leben die Diagnose Brustkrebs bekommt. Dieser Lauf ist nur für Frauen und sehr sehr pink. Viele Läuferinnen nehmen mit ihren Freundinnen oder Kolleginnen teil. Es gibt vorab immer ein Programm zum Aufwärmen und Tanzen mit Musik und das macht richtig gute Laune.
Vielleicht wunderst Du Dich, warum ich dann auf dem Foto so komisch schaue? Das war mein erster Wettbewerb nach mehreren Jahren. Durch die Pandemie, die Schwangerschaft und die Geburt von Little Miss Coffee2Stay lag mein letzter Lauf mit Startnummer schon über zwei Jahre zurück. Ich stand dort und war einfach total ergriffen, dass unser Körper das kann. Dass mein Körper das kann. Dass meine Familie mit nach Straßburg gekommen war, damit ich erneut an diesem Lauf teilnehmen konnte. Und ich hatte Angst davor, es nicht zu schaffen.

2016 fing ich an zu laufen. Früher hatte ich das total doof gefunden. Seitdem lief ich regelmäßig 10 km, das fand ich genau richtig. Ich erinnere mich noch so gerne an den 10 km-Lauf in Würzburg, bei dem ich mit einem leichten Zwicken im Oberschenkel los bin, nachdem der letzte Testlauf wenige Tage zuvor so gar nicht lief. Und dann hatte ich plötzlich meine persönliche Bestzeit geschafft mit 10 km knapp unter einer Stunde. Vor fast genau sieben Jahren bin ich meinen ersten und einzigen Halbmarathon gelaufen. Mein Erlebnis beim Einsteinmarathon in Ulm habe ich natürlich ebenfalls verbloggt.
Eine solche Distanz erfordert allerdings noch mehr als die körperliche und mentale Arbeit. Wichtig ist vor allem, Zeit zu haben. So langsam kristallisieren sich 5 km als meine perfekte Distanz heraus. Nicht, weil ich Sprinterin bin, sondern weil ich 5 km heute je nach Tagesform in 30 bis 40 Minuten laufe. Das klappt am Wochenende ganz gut, manchmal auch unter der Woche. Mehrere Stunden mehrmals pro Woche zu laufen kriege ich aktuell nicht hin. Und dann ist da auch noch die mentale Handbremse.
Die mentale Handbremse
Seit der Geburt von Little Miss Coffee2Stay habe ich zwei längere Läufe geschafft, einmal 7,5 km und einmal 10 km beim Kristallmarathon unter Tage. Dort wollte ich so gerne noch einmal laufen, denn Stimmung und der Ort sind einzigartig. Nach meinem Training für den Halbmarathon bin ich 2018 schon einmal in Merkers gelaufen und das ging ganz gut. Ich war nach mehreren Erkältungen nicht mehr so gut im Training, aber es ging. Nun wollte ich als Mama noch einmal dort laufen und merkte schon vorher, wie zäh 10 km als Distanz für mich geworden sind. Ich spürte eine mentale Handbremse und konnte im Kopf nicht umschalten zu „das kannst Du, das hast Du schon so oft gemacht“. In Merkers läuft man drei Runden, um auf knapp 10 km zu kommen. Die zweite Runde (insgesamt 6,5 km) muss nach 50 Minuten geschafft sein, um weiterlaufen zu dürfen. Das wurde bei mir schon knapp mit etwa 48 Minuten plus x. Aber ich habe mich durchgebissen und bin auf der dritten Runde einige Male gegangen. Ich habe die 10 km geschafft, ich habe Merkers geschafft. Und das vielleicht gar nicht unbedingt, obwohl ich Mama bin, sondern genau deshalb.

Das Mutterwerden ist eine irre Leistung. Was unser Körper schafft, macht mich bis heute sprachlos. Sei es die Schwangerschaft und dass da ein ganzer Mensch wächst, die Geburt oder auch das Stillen später.
Seit ich Mama bin, laufe ich anders. Es ist ok, wenn meine aktuelle Standard-Distanz 5 km sind – solange ich dabei und damit glücklich bin. Denn dann ist auch Little Miss Coffee2Stay glücklich.

Was ist bei Dir anders, seit Du Mama bist? Schreib es gerne in die Kommentare.
Descartes, neu gewendet. Schöner Beitrag!
Ich habe wegen Corona mit dem Laufen angefangen, das einzige was einem erlaubte raus zu gehen und aktiv zu sein. Wer hätte das gedacht.
ABER: Mir geht es genau wie dir… ich kann auch nicht mehr schaukeln ohne dass mir schlecht wird. Als Kind konnte ich das Stunden lang machen. Verrückt.
Liebe Carina, vielen lieben Dank dass du bei meiner Blogparade mit diesem inspirierenden Thema mitgemacht hast. Denn ich finde es super schön, wie du deinen Wiedereinstieg beschreibst und dass es zwar anders ist, als Mutter zu laufen und dich dennoch glücklich macht. Da bekommt man direkt Lust loszulaufen.
Herzliche Grüße, Sina
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