Fremdsprachen öffnen die Fenster zur Welt
Der 21. Februar ist Internationaler Tag der Muttersprache.
Fremdsprachen zu lernen ist großartig, öffnen diese uns doch den Zugang zu anderen Welten. Englisch ermöglicht mir, Bücher oft schon weit vor ihrer Übersetzung ins Deutsche im Original zu lesen – und fremdsprachige Bücher fallen meist nicht unter die Buchpreisbindung. Über viele Jahre lebte ich im englischsprachigen Ausland und fand die englische Sprache nicht nur cooler sondern auch generell viel besser, kam sie mir doch oft intelligenter vor. Das ist natürlich dem britischen Englisch geschuldet, das sich bis heute gerne an Latein und anderen Sprachen bedient.

Auf der Suche nach der Muttersprache
Als Little Miss Coffee2Stay sich ankündigte und wir entschieden, dass sie zweisprachig aufwachsen soll, war ich zunächst nicht nur begeistert, dass ich den deutschen Part übernehmen müsste. Ich las viel über Mehrsprachigkeit und darüber, dass die erste Muttersprache die Herzenssprache sei.
Die Schönheit der deutschen Sprache entdecken
Und erst als Little Miss auf der Welt war und ich mit ihr sprach, merkte ich, wie sehr ich die Nuancen der deutschen Sprache mag. Wenn sie heute aus dem Kindergarten kommt, könnte sie snacken. Sie könnte aber auch schnurpseln, naschen, etwas probieren, leckern oder schlickern. Bei meinem Patenkind gab es im Hamburger Kindergarten am Nachmittag die sogenannte Schmausepause. Wie schön ist bitte dieses Wort?
Statt einer „Snackbox“ bekommt Little Miss wahlweise eine Schnurpselbox, eine Frühstücksbox oder schwäbisch eine Ves(ch)perbox in den Rucksack. Wenn Brot drin wäre, wäre es sogar eine Brotdose. Wie simpel.
Ich fand als Kind das Wort Dreikäsehoch total doof, liebe heute aber das Wort Käsefuß (und nur das Wort!), weil sich Little Miss schon als ganz kleines Mädchen intensiv darüber aufregen konnte, dass ihre kleinen, weichen Babyfüßchen als solche bezeichnet würden.
Wie schön ist es, in einer Sprache so richtig konkret werden zu können? Und doch ist Kurzfristenergieversorgungssicherungsmaßnahmenverordnung kein Lieblingswort, wenn auch die Ideen dahinter sinnvoll waren und uns vor einem allzu kalten Winter bewahrt haben. Mister Coffee2Stay macht sich manchmal über die Präzision der deutschen Sprache lustig, die manchmal eben nicht so elegant ist. Aber dafür haben wir sowas wie Spielzeug, Flugzeug oder Fahrzeug und sofort ist klar, wofür das Zeug, das Ding, da ist.
Wie Sprache unsere Identität beeinflusst
Mit den Jahren und immer mehr Fremdsprachen die ich lernte, fiel mir auf, dass ich in den unterschiedlichen Sprachen nicht nur eine jeweils in einer anderen Tonlage spreche, ich habe auch eine andere Persönlichkeit. Im Englischen finde ich mich beispielsweise deutlich witziger als im Deutschen und bin mitunter viel schlagfertiger. Auf Französisch muss ich mehr denken und spreche langsamer. Französisch ist für mich eine Arbeitssprache, und da ich nie sehr lange in Frankreich war, fehlt mir der kulturelle Einfluss, die Umgangssprache. Auf Italienisch fließen die Worte geradezu aus mir heraus und ich nehme das Leben etwas leichter. Hier kommt mir zugute, dass ich in Italien neben einer Freundin aus der Toskana gelebt und ihren Akzent und auch mitunter etwas flapsige Redewendungen adoptiert habe. Schwedisch ist eine Genusssprache. Ich spreche langsamer, aber nicht weil ich das müsste, sondern weil es sich kulturell richtig anfühlt, sich Zeit zu nehmen. Zu Japanisch kann ich bisher nichts sagen, denn hier imitiere ich noch zu sehr die, von denen ich lerne.
Das beste beider Welten
Ich freue mich, dass Little Miss von Geburt an zwei Sprachen lernt. Dass sie inzwischen sehr gut unterscheidet, welche Sprache sie mit Papa und welche sie mit Mama spricht. Dass ihr Opa in Amerika mit ihr nur Englisch spricht und ihre Großeltern in Deutschland mit ihr Deutsch sprechen. Ich hoffe, dass ihr diese frühe Förderung im Leben so viele Möglichkeiten bieten wird, wie ich sie erfahren habe.
Wer bist Du? Bist Du in allen Sprachen gleich? Schreib es mir gerne in die Kommentare!
Ich liebe ja das amerikanische Englisch, jedes Mal hüpft mein Herz, wenn ich es hören und sprechen kann. Ich finde, bei all unserer Vielfalt, dass manche Worte in Englisch schöner klingen oder sind.
Wobei ich gutes Deutsch sehr mag. In Wort und Schrift.
Ihr scheint es sehr gut hinzubekommen mit der Zweisprachigkeit und die kleine Miss auch. Ich finde das gut, wenn es einen (Hinter)Grund dafür gibt. Es also ins und zum Leben passt.
Liebe Grüße und xoxo
Nicole
Danke, liebe Nicole! Das amerikanische Englisch hat durchaus auch schöne Seiten, allerdings mag ich die Komplexität der Rechtschreibung im britischen/kanadischen lieber. Aber ich trauere ehrlicherweise auch der alten Rechtschreibung bis heute nach 😉
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Ist dein Mann Amerikaner?
Ich selbst bin als Kind mehrsprachig aufgewachsen, wir haben in Uruguay, USA und Deutschland gelebt. Ich würde aber immer sagen, dass Deutsch meine stärkste Sprache ist, weil ich in ihr Abi gemacht und studiert habe.
Ich bin mit einem Kolumbianer verheiratet und habe also diese Mehrsprachigkeit mit ins Erwachsenenalter genommen. Aus meiner Perspektive ist da auf jeden Fall was dran, dass die ganze Identität anders ist, wenn man eine andere Sprache lebt, fühlt und denkt. Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, dass alles Teile meiner Identität sind, egal, welche Sprache ich gerade nutze. Es ist irgendwie schwierig in Worte zu fassen. Ich stimme dir zu, aber teilweise auch nicht. Ich glaube, was ich sagen will, ist, dass es noch einmal anders ist, wenn man bereits als Kind mehrsprachig großgeworden ist, dann nimmt man das einfach als weiteren Teil seiner Identität wahr. Vielleicht macht man dann einfach nicht so bewusst diese Unterscheidung „auf Englisch bin ich witziger als auf Deutsch“, man lebt es einfach ohne groß darüber nachzudenken.