Bubbelhoppa: Ein neues Wort für die schwedische Sprache
Genau wie wir in Deutschland das Unwort oder das Jugendwort des Jahres haben, gibt es in Schweden das Nyord. Das Nyord (ny = neu + ord = Wort = neues Wort) ist ein Wort, das neu in der schwedischen Sprache ist. Der Schwedische Sprachrat erstellt jährlich eine Liste dieser Wörter. Vor einigen Jahren war das Wort Vuxenvälling was soviel wie (Milch-)Brei für Erwachsene (Vuxen) bedeutet und Kaffeegetränke meint, die aus deutlich mehr Milch als Kaffee zusammengerührt sind.
Eines der neuen Wörter war 2023 bubbelhoppa. Bubbelhoppa setzt sich aus bubbel, also dem englischen „Bubble“ beziehungsweise der Blase und hoppa, also springen, zusammen. Man könnte es als „Blasensprung“ übersetzen, dabei habe ich als Mama jedoch ein anderes Bild im Kopf. Es geht auch nicht um eine neue Trendsportart, sondern um den bewussten Versuch, aus dem eigenen Umfeld herauszukommen, um eine andere Sicht auf die Dinge zu bekommen. Der Sprachrat erklärt das so: „Sprechen Sie mit einem Fremden im Bus, lassen Sie den Zufall Ihren sozialen Kreis bestimmen – und seien Sie neugierig. Beim Bubbelhoppa geht es darum, die eigene Komfortzone zu verlassen, Grenzen zu überwinden und zu lernen, andere zu verstehen.“

Ich will aber meine Meinung haben
Im Herbst 2023 veröffentlichte die schwedische Wirtschaftswissenschaftlerin Emma Stenström ein Buch mit dem Titel „Bubbelhoppa“ [mehr dazu hier auf Schwedisch]. Stenström geht davon aus, dass wir unser Leben in verschiedenen Blasen leben. Blasen können beispielsweise die Familie, die Arbeit, der Freundeskreis oder die Nachbarschaft sein. Durch das Springen aus der eigenen Blase lernen wir, mit Unterschieden umzugehen und die Welt anderer sensibler zu betrachten. Stenström unterrichtet angehende Führungskräfte im Blasenspringen. Die Schüler entscheiden sich oft dafür, jemanden mit einer anderen Religion, anderen politischen Ansichten oder aus einem anderen sozialen Umfeld zu treffen.
Mediale Blasen
Ich kenne diese Blasen sehr gut aus den sozialen Netzwerken, wo ich sehr oft die Meinung derer teile, denen ich folge und sie vermutlich auch meine. In der Psychologie nennt man das cognitive dissonance (deutsch: kognitive Dissonanz) nach dem amerikanischen Sozialpsychologen Leon Festinger. Auf Journalismus übertragen meint diese Theorie, dass wir Medien konsumieren, die zu unseren Ansichten besonders gut passen, da es unangenehm ist, andere Meinungen tolerieren und ertragen zu müssen. In Deutschland ist das meiner Meinung nach (noch) nicht so extrem wie beispielsweise in den USA, wo Fernsehsender wie Fox extrem politisch sind. Ich habe es eine Zeit lang praktiziert, absichtlich so gegensätzliche Medien wie CNN und Fox zu konsumieren, aber ich bin es leid. Für mich besteht Journalismus aus einer gewissen Objektivität und nicht aus reiner Meinungsmache. Ich habe mich für meine Meinung und Blase entschieden, und die passt eben nicht zu der, die (unter anderem) Frauen Rechte in Bezug auf ihren eigenen Körper abspricht.

Wie funktioniert die Methode?
Emma Stenström erklärt in ihrem Buch, dass wir uns bewusst werden müssen, in welchen Blasen wir leben und in welchen Blasen sich andere befinden, damit wir uns weiterentwickeln können. Und dann sollen wir zwischen diesen Blasen hin- und herspringen. Diese Methode bedingt, dass wir uns zwingen (was ja schon zeigt, wie ungewohnt und ungemütlich der Prozess sein kann), über unseren Tellerrand zu schauen und uns mit Menschen auszutauschen, die wir sonst nicht treffen würden. Doch gerade in diesen Zeiten, in denen die Gräben zwischen politischen Ansichten immer tiefer zu werden scheinen, fällt mir das sehr schwer.
Vielleicht liest Du ab und an auf Facebook oder Instagram die Kommentare unter Nachrichtenbeiträgen. Dann kannst Du Dir vorstellen, wie frustriert mich das zurücklässt. Hass und Hetze werden verteilt, falsche Informationen verbreitet und es macht einfach so müde. In meiner Jugend hatte ich ein Buch darüber, wie man mit Extremisten diskutiert. Ich bewundere jeden, der das kann. Ich kann das nicht, ich will es auch nicht mehr.

Zurück zum Blasenhüpfen. Ganz ehrlich? Mir gefiel zunächst der Klang des Wortes, das so leicht, so fluffig daher kommt. Aber je mehr ich darüber nachdenke, umso wichtiger erscheint mir das Anliegen dahinter, mal die eigene Komfortzone zu verlassen. Gerade jetzt, wo wir in Deutschland offenbar auf Neuwahlen zusteuern und sehr rückwärtsgewandte, frauenfeindliche Kräfte um die Stimmen der Wähler heischen. Auch wenn ich wohl nicht mit AfD-Wählern diskutieren werde, so ist mein Ansatz, Fakten zu überprüfen und auf falsche Informationen hinzuweisen. Denn in einer Zeit, in der so viele von uns die Nachrichten über soziale Netzwerke und nicht über die Nachrichten, die Zeitung oder andere klassische Medien beziehen, wächst die Gefahr, auf (bewusst gestreute) Falschinformationen hereinzufallen. Und das kann fatal sein. Auch in Deutschland.
Und Du?
Machst Du Dir über Deine Blase(n) Gedanken? Hast Du Lust, Bubbelhoppar mal auszuprobieren? Meinst Du, dass es Führungskräfte besser machen kann?
Schreib es mir in die Kommentare.
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